Googles “Institut für Internet und Gesellschaft” – ein Armutszeugnis

Das komplett von Google finanzierte “Institut für Internet und Gesellschaft” ist ein Armutszeugnis für die deutsche Forschungs-Gemeinde. Das Internet revolutioniert unsere Welt wie lange nichts mehr und die deutschen Hochschulen schaffen es nicht, zumindest ihre überschaubaren Aktivitäten in diesem Bereich unter einem Dach zu bündeln? Jetzt kommt Google, aktiviert den “Start up mode” (Google) und sagt: Leute, hier muss was passieren, wir brauchen ein Institut, dass sich allein ums Internet kümmert – hier sind 4,5 Millionen Euro für drei Jahre. Das sind 1,5 Mio. pro Jahr. Im akademisch Betrieb ist das nicht mehr als eine Anschubfinanzierung und reicht nicht mal für zwei Dutzend Institutsmitarbeiter.

Und das sollen die deutschen Hochschulen nicht selber stemmen können? 4,5 Millionen Euro, um die Auswirkungen des Internets auf unsere Gesellschaft zu erforschen? Natürlich wäre das Geld zu beschaffen gewesen – wenn die deutsche Wissenschaftsgemeinde gewollt hätte. Aber ihr ist das Internet nicht wichtig genug. Natürlich forscht man hierzulande am Urheberrecht, an Geschäftsmodellen, an Datenschutz. Aber international fallen deutsche Netz-Forscher nicht weiter auf und ein eigenes Institut? Nö. Aus ihrer Fehlplanung macht zumindest die WZB-Präsidentin keinen Hehl: “Wir haben uns auf andere Felder festgelegt.”

Jetzt könnte man sagen: Na, besser spät als nie. Aber so einfach ist das nicht. Weil die deutschen Wissenschafts-Entscheider zu beschränkt sind, die deutschen Forscher international nicht wichtig genug, muss Google Geburtshelfer spielen. Das kann man Google nicht übel nehmen. Die deutschen Netz-Forscher aber stehen blamiert da. Nicht nur, dass sie auf einen der größten Internet-Konzerne warten mussten, um ein Internet-Institut zu gründen. Sie lassen sich auch noch für lumpige 4,5 Millionen Euro Ihre Glaubwürdigkeit zerbeulen.

Natürlich wird Google ihnen nicht vorschreiben, was sie zu erforschen oder zu unterschlagen haben; natürlich behaupten alle, sie seien unabhängig und würden ihre Arbeiten nicht von Google abnicken lassen. Das wäre ja auch noch schöner.

Das Problem ist aber: Die Schere im Kopf fängt an zu schnippeln, lange bevor irgend jemand irgendwas verbieten könnte.

Wenn ein Wissenschaftler Vollzeit und zu 100 Prozent von Google finanziert zu – sagen wir – Datenschutz forscht, dann wird er irgendwann vor der Frage stehen, wie er mit Googles Diensten umgeht. Natürlich ist Verschweigen keine Option. Die Gewichtung ist aber mindestens ebenso wichtig: Muss man die Buzz-Pleite heraus heben? Wie hoch hängt man die Datensammelei der Android-Telefone? Wie genau schaut man sich Google Plus an?

Nie wird Google irgendwas unterdrücken wollen – das passiert von ganz alleine, weil sich die Forscher fragen werden, wie sehr sie den Geldstrom gefährden wollen, der sie komplett finanziert: Ist wirklich nötig, Google schon im Titel der Studie anzugreifen? Kritisieren, klar das machen wir, aber reicht´s nicht vielleicht auch im letzten Kapitel?

Und das Fatale ist: Selbst, wenn es den Wissenschaftlern gelingt, sich so zu entscheiden, als wäre es nicht ihr Geldgeber, den sie anpinklen: Den Verdacht der Befangenheit werden sie nicht los.

Und es ist ein Armutszeugnis, dass sich die Wissenschaft diesem Verdacht aussetzt, weil angeblich keine 4,5 Millionen Euro da sind.

Doch weil die deutsche Wissenschaft ist wie sie ist, ist es leider gut, dass Google den Schritt macht und den Zug endlich mal aufs Gleis setzt. Der Plan ist, andere Geldgeber ins Boot zu holen, damit die Internet-Forscher irgendwann auch ohne Stütze vom Google forschen können. Deswegen hat die deutsche Wissenschaftsgemeinde nur eine Möglichkeit, diese Peinlichkeit vergessen zu machen: Werft so schnell wie möglich so viel Geld wie möglich auf das Institut, bis es auf seine Unabhängigkeit nicht mehr hinweisen muss.

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