{"id":6,"date":"2005-02-25T18:57:05","date_gmt":"2005-02-25T16:57:05","guid":{"rendered":"http:\/\/philipbanse.de\/wp\/?p=6"},"modified":"2005-07-31T00:41:10","modified_gmt":"2005-07-30T22:41:10","slug":"mit-iris-auf-kontaktlinse-durch-biometrische-grenzkontrolle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/philipbanse.de\/wp\/mit-iris-auf-kontaktlinse-durch-biometrische-grenzkontrolle\/","title":{"rendered":"Mit Iris auf Kontaktlinse durch biometrische Grenzkontrolle"},"content":{"rendered":"<p>Am Flughafen Frankfurt\/Main testet der Bundesgrenzschutz seit 11 Monaten die  <a href=\"http:\/\/www.bundesgrenzschutz.de\/Auto_Grenzkontrolle\/ABG\/index.php\">&#8222;Automatisierte und Biometriegest\u00fctzte Grenzkontrolle (ABG)&#8220;<\/a>. 11.000 registrierte Nutzer k\u00f6nnen die Schengen-Grenze ohne Kontakt zu einem BGS-Beamten passieren, nachdem Pass und Iris gescannt wurden. Ich habe das Ganze mit einer farbigen Kontaktlinse probiert. Der BGS-Sprecher danach: &#8222;Das h\u00e4tte nicht klappen sollen.&#8220;<\/p>\n<p>Beitrag downloaden: <em><a href=\"http:\/\/p-banse.de\/\/nuke\/html\/Uploads\/Audio\/030614_RIAS-Collage_DLRB.mp3\">&#8222;Der grosse Laborversuch &#8211; Biometrische Daten in Paessen&#8220;, Deutschlandfunk, 25.2.2005, 19\u00b415<\/a><\/em><\/p>\n<p>Beitraege abonnieren: <a href=\"http:\/\/philipbanse.de\/wp\/wp-rss2.php?category_name=radio\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kuechenradio.org\/buttons\/rss_podcast_button.png\" alt=\"rss\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das System der Firma <a href=\"http:\/\/www.bosch-sicherheitstechnik.de\/de\/neuheiten\/systeme\/flughafen_frankfurt.htm\">Bosch Sicherheitstechnik<\/a> funktioniert so: Man l\u00e4sst sich im &#8222;Enrollment-Center&#8220; des BGS am Frankfurter Flughafen registrieren. Zun\u00e4chst wird der Pass gep\u00fcrft. Dabei werden die Fahndungs- und Visadatenbanken INPOL und SIS abgefragt. Ist alles in Ordnung, wird die Iris nach <a href=\"http:\/\/www.bosch-sicherheitstechnik.de\/de\/neuheiten\/systeme\/flughafen_frankfurt.htm\"> Angaben von Bosch<\/a> nicht eingescannt, sondern per Video digitalisiert. Dabei werden von beiden Iris Templates erzeugt, die nach BGS-Angaben zusammen mit den personenbezogenen Daten verschl\u00fcsselt unter der Passnummer in der lokalen  &#8222;AGB-Datenbank&#8220; des BGS abgelegt werden. Das System soll die so genannte Lebenderkennung beherrschen, das hei\u00dft es muss erkennen, ob die Iris lebt oder lediglich aufgemalt oder ein Foto ist.<\/p>\n<p>Danach kann man am Frankfurter Flughafen die Schengengrenze per Iris-Scan \u00fcbertreten: Man legt den Pass auf einen Scanner. Erkennt er den Teilnehmer, \u00f6ffnet sich die T\u00fcr zur Scan-Kabine. Dort blickt man aus 40 cm Abstand auf einen gr\u00fcnen Punkt, die Iris wird gescant und mit dem Template in der DB verglichen. Klappt das, \u00f6ffnet sich eine zweite T\u00fcr und man hat die Grenze passiert.<\/p>\n<p><b>Aktion &#8222;Kontaktlinse&#8220;<\/b><\/p>\n<p>Angeregt durch den <a href=\"http:\/\/www.ccc.de\/congress\/2004\/fahrplan\/event\/27.de.html\">Vortrag von starbug auf dem 21c3<\/a> wollte ich wissen, ob die Anlage mit dem einfachsten aller m\u00f6glichen Verfahren zu \u00fcberwinden ist. Beim freundlichen Flughafen-Optiker kaufte ich f\u00fcr 26,50 Euro zwei farbige Kontaktlinsen mit aufgedruckter Iris des Typs &#8222;Hazel&#8220;, Marke <a href=\"http:\/\/www.freshlookcontacts.com\/html\/colorselector.shtml\">&#8222;Freshlook Colors&#8220;<\/a> und lie\u00df sie mir einsetzen.<\/p>\n<p>Das Enrollment klappte beim dritten Versuch. Meine Kontaktlinsen-Iris war also meinem Pass zugeordnet. Ich ging zur Kabine f\u00fcr die &#8222;Automatisierten Grenzkontrolle&#8220;, legte den Pass auf den Scanner und wurde in die Kabine gelassen. Ich blickte auf den gr\u00fcnen Punkt und nach rund f\u00fcnf Sekunden \u00f6ffnete sich die zweite T\u00fcr. Das System hatte mich verifiziert und \u00fcber die Grenze gelassen.<\/p>\n<p>Jetzt war nat\u00fcrlich interessant, ob ich meinen Pass samt Kontaktlinsen an eine andere Person weiterreichen kann, die dann unter meinem Namen die Grenze passiert.  <\/p>\n<p>Als Testperson konnte ich besagten Optiker gewinnen. Er setzte sich die Kontaktlinsen ein, legte den Pass auf den Scanner und wurde in die Kabine gelassen. Doch drei Versuche der Verfikation schlugen fehl. Das System \u00f6ffnete immer nur die T\u00fcr zu einem BGS-Beamten, um die Papiere manuell \u00fcberpr\u00fcfen zu lassen.<\/p>\n<p><b>Was bedeutet das?<\/b><\/p>\n<p>Der Leiter des BGS-Amtes Frankfurt Flughafen, Hubert Steiger, zeigte sich \u00fcberrascht, dass das System mich registriert und die Grenze hatte passieren lassen. Seine Erkl\u00e4rungsversuche:<\/p>\n<p>a) Die Kontaktlinse hat nicht meine gesamte Iris abgedeckt. So konnte das System erstens die Iris f\u00fcr belebt halten und zweitens &#8211; trotz Kontaktlinse &#8211; ein Template meiner Iris anfertigen.<\/p>\n<p>b) Die Kontaktlinse ist transparent, so dass meine Iris durchschien und von den Infrarot-Strahlen des Systems erfasst werden konnte. M\u00f6glicherweise hat das System aus Linse und Iris eine Art Mix-Template angelegt, das aber immer noch eindeutig und nicht mit anderen Personen reproduziertbar ist. (Leider habe ich vergessen, die Grenzkontrolle ohne Kontaktlinsen zu wiederholen, um zu sehen, ob die Verfikation &#8222;Iris ohne Kontaktlinse vs. Template mit Kontaklinse&#8220; klappt. D\u00e4mlich.)<\/p>\n<p>Der Optiker schlug vor, sich eine Iris samt Pupille von Hand malen zu lassen. Die verhindere jedoch nicht nur, dass die echte Iris durchscheint, sondern auch, dass man etwas sieht. Angeblich hat ein Techniker der BSI hartn\u00e4ckig versucht, das System auf diese Weise zu \u00fcberwinden. Er habe sich auch Markierungen auf der Linse gesetzt, um sie stets in der richtigen Stellung wieder einlegen zu k\u00f6nnen. Es sei ihm aber nicht gelungen. Mit dem BSI werde ich aber noch sprechen.<\/p>\n<p>Was mir noch nicht ganz klar ist: Wie ist dieses Experiment zu bewerten? Lassen sich Aussagen treffen? Wenn ja, welche? F\u00fcr Vorschl\u00e4ge w\u00e4re ich dankbar.<\/p>\n<p>Das Ergebnis dieser bescheidenen Nachforschungen wird unter dem Titel &#8222;Biometrie in Ausweisen&#8220; im Deutschlandfunk zu h\u00f6ren sein, &#8222;Hintergund Politik&#8220; 18.40-19.00, Datum noch unklar, aber das St\u00fcck wird rund zwei Monate per <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/aod\/html\/\">Audio on demand<\/a> im Netz zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p><b>BTW<\/b><br \/>\nDer Optiker musste meinen Pass rund 15 Mal auf zwei verschiedene Scanner legen, erst nach rund sechs Minuten und diversen Beredungen der BGS-Beamten (&#8222;Kannst du die Kabine noch mal aktivieren?&#8220;) wurde der Optiker in die Kabine gelassen. Es gab keine Warteschlange, das System war v\u00f6llig ausgeruht. Soviel zu seiner Belastbarkeit. Der Amtsleiter des BGS Steiger sagte, &#8222;die ganze Technik steckt noch in den Kinderschuhen&#8220;. Er gab den Anteil der registrierten Reisenden, die vom System f\u00e4lschlicherweise nicht durchgelassen werden, mit &#8222;unter 30 Prozent&#8220; an. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Flughafen Frankfurt\/Main testet der Bundesgrenzschutz seit 11 Monaten die &#8222;Automatisierte und Biometriegest\u00fctzte Grenzkontrolle (ABG)&#8220;. 11.000 registrierte Nutzer k\u00f6nnen die Schengen-Grenze ohne Kontakt zu einem BGS-Beamten passieren, nachdem Pass und Iris gescannt wurden. Ich habe das Ganze mit einer farbigen Kontaktlinse probiert. 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